Pflegeheim für psychisch Kranke mit Multimorbididät

Mobilitätsförderung

 

Balancetraining zur Sturzprophylaxe

Mit über 60 wieder laufen lernen - Heimbewohner gewinnen durch Balancetraining mehr Lebensqualität

Sechs Monate lang trainieren, um nicht die Balance zu verlieren und einer möglicherweise folgenschweren Verletzung vorzubeugen?
 
Der Aufruf zur Teilnahme am AOK-Sturz-Pilotprojekt im Wohn- und  Pflegeheim Kutzenberg klang ziemlich anstrengend. Doch weil die Angst vor einem Sturz groß ist, trainieren schon seit April zehn Bewohner fleißig. Auch wenn sie manchmal erschöpft stöhnen - sie bereuen ihre Entscheidung nicht.
 

Teilnahme am AOK-Sturz-Pilotprojekt

 
Zunächst galt es, Pflegekräfte zu finden, die nach Abschluss der zu erwerbenden Zusatzqualifikation regelmäßig Balancetrainings in den Wohngruppen durchführen können. Diese Herausforderung reizte ein paar Sportbegeisterte, die gern die Bewohner bei einer Verbesserung ihrer Gangsicherheit unterstützen wollen. Unter Anleitung eines qualifizierten Physiotherapeuten im AOK-Projekt lernen sie nun, Betroffene zu motivieren und fachgerecht zu trainieren. Eine der schweißtreibenden Übungsstunden mit der Ergotherapeutin Kathrin Steinhorst, der Sturzbeauftragten Sandra Schnappauf und den Altenpflegern Jasmin Kraus und Skender  Latifaj  konnten wir miterleben.  Sie  alle fungieren als Co-Trainer und werden auch nach Abschluss des Projekts die Bewohner weiter anleiten.
 
 

Die Übungsstunden

 
Wie schnell zu erkennen ist, braucht es schon Charme, Witz, Geduld und eine Menge Erfahrung, um zwei Mal in der Woche die zunächst sehr zurückhaltenden Bewohner aus der Reserve zu locken. Doch mit seiner bildhaften Sprache: „Wir geben Gas wie beim Autofahren“ statt: „wir kippen den rechten Fuß nach oben“ motiviert Kursleiter Jürgen Faulstich auch den 60jährigen Hr.  Ewald W., der seit mehreren Jahren im Rollstuhl sitzt und hofft, nach dieser Schulung wieder ein bisschen laufen zu können. Obwohl ihn das viel Kraft kostet, macht er eifrig Übung für Übung mit. Auch Hr. Alfons R. bemüht sich, alle Aufgaben richtig umzusetzen, während  Hr. Matthias B. (40), mit allerlei philosophischen Überlegungen die Trainer abzulenken versucht, um unliebsame Übungen zu vermeiden. Doch seine listige Taktik bleibt ohne Erfolg. Der Kursleiter weiß souverän mit dieser Situation umzugehen - er hat einige Sprüche parat, die den Ehrgeiz der Einzelnen wecken und die Runde auflockern. So freut sich der 70jährige Hr. Hans L., der sich in den letzten Jahren unsicher am Handlauf entlang gehangelt hatte, dass er sich jetzt wieder etwas sicherer bewegen kann.
 
Am Ende des Trainings sind alle zwar schlapp, aber stolz auf das Geleistete. Und wenn der Kursleiter nächsten Freitag zum „Gas geben!“ auffordert, werden die Teilnehmer bestimmt wieder mit Leib und Seele mit von der Partie sein. Nicht nur die verantwortliche Pflegefachkraft Karoline Gut vom Wohn- und Pflegeheim Kutzenberg ist überzeugt von dem Konzept, das die Lebensqualität der Bewohner sicht- und spürbar verbessern hilft.
 
 

Das Konzept


Statistiken zeigen, dass vor allem Bewohner von Pflegeheimen sich beim Gehen gelegentlich unsicher fühlen, stürzen und sich einen Knochenbruch im Bereich der Hüfte, z.B. einen Oberschenkelhalsbruch, zuziehen. Das Projekt  „Aktiv bleiben im Pflegeheim“ der AOK beugt dieser Gefahr mit einem speziellen Training zur Verbesserung von Kraft und Balance vor. Durch Bewegung und gut trainierte Muskeln werden Gleichgewichtsgefühl und Reaktionsfähigkeit verbessert. Wie Untersuchungen zeigen, werden durch die gezielten Übungen die körperliche Leistungsfähigkeit, Kraft und Gehfähigkeit der Teilnehmer gestärkt, die Zahl der sturzbedingten Unfälle nimmt deutlich ab. Zusätzlich werden die teilnehmenden Pflegekräfte befähigt, das Kraft- und Balancetraining 2mal pro Woche für eine Stunde, nach sechs Monaten selbstständig weiterzuführen.


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Letzte Aktualisierung am 28.03.2013




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